Vorboten des Winters

Nach dem Sturm Herwart zeigt sich der letzte Oktobertag 2017 in Bayern ruhig und sonnig. Wir machen uns auf ins hintere Lechtal in Österreich. Trotz strahlender Sonne erweisen sich dort der kalte Wind und die schneebedeckten Gipfel bereits als Vorboten des Winters. In Holzgau nehmen wir eine schon lange geplante Route rund um das malerische Dorf mit seiner 110 Meter hohen Hängebrücke über die Höhenbachschlucht unter die Wanderschuhe.

Bereits im vorigen Sommer machten wir im Rahmen einer Radtour einen Zwischenstopp in Holzgau und bestaunten von weitem die Hängebrücke über den rauschenden Höhenbach. Fern ab unserer damaligen Kondition erwies sich der Anstieg mit dem Mountainbike hinauf zur längsten Fußgänger-Hängebrücke in Österreich als zu schwierig, so dass wir beschlossen unser Vorhaben im Rahmen einer ausgedehnten Wanderung im kommenden Jahr zu realisieren.

 

Die Hängebrücke wurde übrigens im Oktober 2011 erstmals eröffnet und führt in schwindelerregender Höhe von 110 Meter über die Schlucht des Höhenbachs. Dieses 200 Meter lange Bauwerk, das Nachts beleuchtet wird, ist frei zugänglich und kann kostenlos begangen werden.

Rund 130 Kilometer lang ist die Anfahrt von Landsberg über Reutte durch das Lechtal direkt nach Holzgau. Der beschauliche Ort liegt am Fuße der Jöchelspitze und bietet zahlreiche Tourenmöglichkeiten von leicht bis schwer. Ausgangspunkt ist das Dorfzentrum nahe der Kirche mit einem kostenlosen Parkplatz direkt am Höhenbach. Für den Anstieg zur Hängebrücke gibt es zwei Varianten.

Zahlreiche Routen rund um Holzgau laden zum Wandern ein.

Entweder über einen Rundweg via Gföll oder umgekehrt über die Schiggen. Wir wählen die Variante Schiggen und beschließen anschließend vorbei am Café Uta und dem Simms-Wasserfall weiter in das Tal zu wandern.

Der Anstieg führt vom Parkplatz relativ steil durch den Wald nach oben. Von Wasserläufen durchzogen ist der Weg an vielen Stellen matschig. Schilder weisen darauf hin, dass der Pfad im Winter wegen Eisglätte nicht begehbar ist. Nach einem Anstieg von etwa 30 Minuten zeigt sich der Publikumsmagnet von Holzgau im strahlenden Sonnenlicht. Wir teilen uns den Ausblick mit einigen anderen Touristen und machen die obligatorischen Schnappschüsse an diesem tollen Aussichtspunkt.

 

Weiter geht es auf einem gut ausgebauten Wanderweg oberhalb des Höhenbach in das Tal zum Café Uta, das Ende Oktober bereits geschlossen hat. Von dort führt uns die Route weiter zur Roßgumpenalm. Zahlreiche Sturzbäche wie etwa der Wiesenbach queren den breiten Weg und münden in den parallel verlaufenden Roßgumpenbach, der unterhalb der Simms-Wasserfälle in den sogenannten Höhenbach führt.

Es wird zunehmend kälter und die Pfützen auf dem Weg tragen schon eine dünne Eisschicht. Schnell die Handschuhe an und die dicke Wanderjacke angezogen – der kalte Wind zeigt sich als Vorbote des Winters. Kurz vor der Roßgumpenalm sind die Wiesen bereits leicht schneebedeckt und die Kälte hält uns in ihrem Bann.

Trotz der Nachmittagssonne erwärmt sich die Luft in diesem Tal nicht mehr richtig. Entschädigt werden wir dafür mit einem atemberaubenden Ausblick auf die tief verschneiten Gipfel in fast greifbarer Nähe.

Am frühen Nachmittag nimmt der Schatten Besitz von dieser schönen Landschaft und drängt uns zur Rückkehr. Nicht ohne einen Abstecher auf den Lech-Fernwanderweg Richtung Bach zu machen. Hier zeigen sich die Osthänge noch im warmen Sonnenlicht. Wir genießen den Abstieg und werfen noch einen letzten Blick hinauf zur Jöchelspitze.