Im Rhythmus der Sonne

Die Alp hat uns wieder! Am 7. Juni zur Mittagszeit wurden die Kühe für die Saison 2014 auf den Urnerboden gebracht. Kuhglockengeläut über dem Tal. Die Sonne bestimmt jetzt wieder den Tagesablauf hier oben auf der Alp. Aufstehen bei Sonnenaufgang, Kühe auf die Weide bringen – in den Stall treiben und melken. Mit dem letzten Sonnenstrahl erschöpft ins Bett fallen.

Die Kühe sind zu Saisonbeginn mit dem Transporter angereist. Ein Hauch von Bequemlichkeit für die Tiere hat diese Art des Zügelns schon. Aber sie haben teils eine lange Reise hinter sich. Die zehn eigenen Kühe von Franz Müller waren über den Winter in Obwalden und Unterschächen. Insgesamt 29 Kühe hat der Senn in diesem Jahr auf seiner Alp in Obhut.

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Genau inspiziert er die „Begleitpapiere für Klauentiere“. Jede Kuh ist dokumentiert mit Namen und Daten – quasi ihr eigener Reisepass. Für Franz ist jede Kuh eine eigene Persönlichkeit. Eine große Verantwortung lastet auf seinen Schultern. Der 67-jährige Schweizer Senn ist seit über 60 Sommern auf der Alp. Dennoch – keine Spur von Routine.

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Man merkt ihm die Anspannung sichtlich an. Lange hat er auf diesen Tag gewartet. Auch die Kühe sind nervös – die Luft vibriert. Bis sich die Tiere wieder zurechtgefunden haben, lassen sie ihrem Bewegungsdrang freien Lauf und toben frei umher. Die Rangordnung ist wieder hergestellt.

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Der vergangene Winter war nicht so hart. Es fiel deutlich weniger Schnee als gewöhnlich. Jetzt sind die Wiesen grün und saftig. Inzwischen hat auf dem Urnerboden die neue Alpkäserei ihren Betrieb aufgenommen. Am Abend des ersten Tages herrscht nach dem Melken reger Andrang an der Milchannahme. Der Urnerboden ist schließlich die größte Alp in der Schweiz.

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Franz bringt seine Milch auf dem Urnerboden nur am Sonntag in die Großkäserei. „Sunntig werd nid chäst“, meint er. Für gewöhnlich wird die Milch von ihm selbst verarbeitet. 46 Chäsli hat er am Pfingstmontag bereits fertig gemacht. Sie werden drei bis vier Wochen im Keller reifen. Am Schluss werden es mehrere Tausend Mutschli sein, die der Senn akribisch chäst. Ihre Qualität ist unübertroffen und einzigartig.

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Beim nächsten Zügeln geht es im Juli hinauf nach Wannelen. Dort wird das Sommerquartier bezogen. Auf einer Höhe von knapp über 1600 Metern muss das Gras noch etwas wachsen. Die Wiesen schimmern goldgelb vom Löwenzahn. Auch die Zäune fehlen noch. Es gibt noch viel zu tun.

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