Ein wahrer Alpsommer

Wenn die Wiesen blühen und die Kühe ihr Bestes für eine gute Milch geben, läuft Senn Franz Müller beim Käsen zur Höchstform auf. Rund 4000 Alpmutschli produziert das Schweizer Urgestein im Laufe einer Saison. Verkauft werden die Chäsli überwiegend auf der Alp auf dem Urnerboden. Während Franz auf der Alp Wannelen käst, helfen wir beim Käseverkauf im Sommer 2018.

Als wir Ende Juli unsere Reise in die Schweiz antreten, erwartet uns ein wahrer Bilderbuchsommer. Temperaturen über 30 Grad und Sonnenschein ohne Ende versprechen ein paar schöne Wochen unterhalb des Klausenpass auf dem Urnerboden.

Die Alp auf dem Urnerboden.

Sehnsüchtig werden wir schon von Ruth und Freddy erwartet. Die beiden verbringen ihre letzte Saison auf der Alp Hintere Hütten – dann ist endgültig Schluss mit Käseverkauf. Hanni und Sepp haben sich bereits in den Ruhestand verabschiedet.

Hanni und Sepp aus Zug haben zahlreiche Sommer auf dem Urnerboden verbracht. Mit viel Herzblut haben sie den Käseverkauf gemacht. Nun sind sie im wohlverdienten Ruhestand.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge macht Petra am 23. Juli die Übergabe und lässt sich von Ruth und Freddy nochmals einweisen. Eine Ära geht zu Ende und die „Sommer-Älpler“, die viele Jahre im Wechsel mit Hanni und Sepp die Käse verkauft haben verabschieden sich, und frönen nun ihren Hobbys und widmen sich fortan den Enkelkindern.

Ende Juli ist der Käsekeller immer gut gefüllt mit den hochwertigen Alpkäsli die einmal die Woche von der auf 1635 m hoch gelegenen Alp Wannelen ihren Weg auf den Urnerboden nehmen. Mit einer Wagenladung können schon einmal 260 bis 280 Käse eintreffen. Ausladen – und runter in den Käsekeller. Dort müssen die noch jungen Käse jeden Tag gewaschen und gepflegt werden bis sie ihren Reifegrad nach gut 3 bis 4 Wochen erreicht haben und dann fertig zum Verzehr sind.

Im Käsekeller reifen die Käse ein paar Wochen. Dabei müssen sie jeden Tag gepflegt und gewaschen werden bis sie zum Verkauf gelangen.

Der sogenannte Alpmutschli ist ein milder Vollfett-Halbhartkäse. Hergestellt wird er aus thermisierter Alpmilch von Kühen, die auf Weiden mit ganz bestimmten Kräutern fressen. Nur dann darf sich der Käse auch Mutschli nennen.

Die Kräuter sind das Besondere an der Milch von Kühen auf den Hochweiden. Nur sie darf für den Mutschli verwendet werden.

Und Franz Müller beherrscht das Chäs-Handwerk wie kein anderer auf dem Urnerboden. Der gebürtige Unterschächender zählt mit seinen 72 Jahren quasi zur Elite der Schweizer Käser.

Zahlreiche Auszeichnungen und Diplome hat Franz Müller für seine Dienste beim Käsen erhalten.

Das goutieren auch seine zahlreichen Stammkunden, die jedes Jahr kommen um sich ein paar Alpkäsli zu kaufen.

Fast jeden Tag herrscht Hochbetrieb auf der Alp. Manchmal stehen die Kunden bereits früh morgens um 7 Uhr vor der Türe und freuen sich auf die feinen Chäsli. Richtig Ruhe gibt es kaum, denn der Käsekeller ruft und die Arbeit geht nicht aus.

Für Abwechslung sorgt da eine Zusammenkunft mit alten Freunden: Im Laufe der Jahre ist das Treffen mit den „Zugern“ auf dem Urnerboden schon zu einer festen Tradition geworden. Wenn der Postbus an den Hinteren Hütten hält, haben unsere Freunde eine mehrstündige Reise hinter sich. Bei Kaffee Träsch und einer deftigen Brotzeit geht es bis weit in den Nachmittag hinein.

Alte Tradition: Die „Zuger“ treffen sich jedes Jahr auf dem Urnerboden und freuen sich stets auf ein Wiedersehen.

In der ersten Augustwoche folgt dann die Ablösung und Petra übergibt den Käseverkauf an Stefan, einen alten Freund von Franz, der bis Ende des Monats auf dem Urnerboden bleibt. Eine schöne Zeit liegt hinter uns – doch wir werden bald wiederkommen. Zu einem weiteren Treffen mit Franz und unseren Schweizer Freunden.