Ein verregneter Sommer

Rund zwei Wochen vor dem sonst üblichen Ende des Alpsommers ging es in diesem Jahr bereits am 13. September 2014 vom Urnerboden zurück ins Winterquartier. Als Franz uns drei Tage vorher angerufen hatte, und zum Zügeln vom Urnerboden ins Obermattli nach Unterschächen rief, war der Klausenpass schon leicht verschneit.

Als wir am Abend vor dem Zügeln am Urnerboden eintreffen regnet es in Strömen. Kalt und ungemütlich präsentiert sich uns die Alplandschaft von ihrer ungemütlichen Seite. Die Berge rund um den Klausenpass sind schon schneebedeckt und die Ausläufe leicht gezuckert. Nicht ohne Grund wird in diesem Jahr der Urnerboden mit den Kühen früher als sonst verlassen. Es war ein verregneter Sommer. Nur rund eine Woche Anfang August herrschte schönes Sommerwetter. Ansonsten war es nasskalt und trüb. Die Weiden sind aufgewühlt und matschig. Doch Franz der Senn meint, es wäre für die Kühe eher ein angenehmer Sommer gewesen. „Lieber Regen als immer die Bremen am Grind“, sagt er grinsend. Und die Qualität der Milch ist hervorragend. Der Käse, die sogenannten Mutschli, sind ihm in diesem Alpsommer wieder perfekt gelungen. Nicht umsonst sind sie bis weit über die Grenzen des Kantons Uri bekannt und heiß begehrt.

Am Samstag den 13. September geht es früh morgens um 7 Uhr los. Franz und Wiesi haben die Kühe vorher ein allerletztes Mal auf dem Urnerboden um 4 Uhr gemolken. Anschließen wurden sie geschmückt. Wiesi bleibt an diesem Tag zurück auf der Alp, mistet den Stall und verkauft Käse.

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Noel, sein Kumpel, Desirée, Doris, Rade, Franz und ich treiben die Kühe hinaus Richtung Klausenpass. Jürgen übernimmt die Logistik und fährt das Auto mit der Verpflegung ein Stück voraus.

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Mit von der Partie ist erstmals „Paulchen“ mein Rauhaardackel. Mit seinen knapp 11 Jahren darf er im Auto mitfahren und gelegentlich ein Stück mitlaufen.

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Unterwegs werden wir von ein paar Jungs auf ihrem Aebi überholt. Sie sind auf dem Weg zum 2. nationalen Aebi und Schilter-Treffen auf der Klausenpasshöhe. Ausgelassen reichen sie uns „Kaffee Träsch“. Morgens, um kurz vor 9 Uhr, ist diese Schweizer Form des „Kaffee mit Schnaps“ eine Herausforderung.

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Kurz vor der Passhöhe warten dann unsere Zuger-Freunde Toni & Co. mit Ziger Krapfen und einem besonders starken Kaffee Träsch auf uns.

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Rund 22 Kilometer geht es mit den Kühen dann weiter ins Tal nach Unterschächen. Nebel taucht die Landschaft in ein trübes Licht. Ab und zu blinzelt die Sonne durch. Die Alp Wannelen ist wolkenverhangen und nicht zu sehen.

Franz ist inzwischen mit dem Auto vorausgefahren und trifft im Obermattli die Vorbereitungen für seine Kühe. Als wir gegen 12.30 Uhr eintreffen scheint die Sonne. Mit aller Kraft wärmt sie die Tiere und uns. Doch der Alpsommer ist vorbei und die Kühe haben nun ihr Winterquartier bezogen.

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