Der Alpsommer ist eingeläutet

Die Temperaturen steigen und der langersehnte Alpsommer ist endlich da. Jetzt zügeln die Kühe vom Urnerboden hinauf nach Wannelen über die Klausenpasshöhe. Eine mühsame und steile Strecke, die den Tieren alles abverlangt. Deshalb erfolgt sie in zwei Etappen mit einer Übernachtung auf den Vorfrutter Hüttli.

Nicht nur die Kühe sind nervös, als es am Abend des 3. Juli 2014 heißt: Zügeln nach Wannelen. Auch Franz dem Senn und seinen Freunden und Helfern steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Kare, Klaus, Besch, Thomas, Sepp, Rade, Noel, Desirée, Vreni, Petra und Jürgen – alle sind gekommen um bei diesem großen Ereignis dabei zu sein. Um 18 Uhr geht es los.

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Kurz vorher wurden die 29 Kühe noch gemolken. Entlang der Klausenstraße ziehen die Tiere fast schon von alleine hinauf Richtung Passhöhe. Das Läuten der Glocken übertönt jeglichen Verkehrslärm. Immer wieder müssen die Kühe auf eine Seite getrieben werden, um Autos und Töffs ein Durchkommen zu ermöglichen. Dabei ist Vorsicht geboten, da die Tiere immer wieder – fast den Gämsen gleich – ins steile Gelände drängen und dort saftiges Gras fressen.

Nach gut zweieinhalb Stunden sind die Vorfrutter Hüttli erreicht. Franz hat dort einen Stall, der den Kühen für diese Nacht als Unterschlupf dient. Gemolken wird dort nicht mehr. Mit dem Auto geht es zurück auf die Alp am Urnerboden. Dort wartet Vreni mit dem Abendessen: Spaghetti à la Bolognese. Erschöpft fallen alle um 22 Uhr ins Bett.

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Am nächsten Morgen wird um drei Uhr geweckt. Nach einem kurzen Frühstück – Kare gönnt sich einen Kaffee Träsch – geht es wieder hinauf zu den Hüttli. Franz gibt die letzten Anweisungen, bevor er um fünf Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen zum Aufbruch ruft. Kare, ein erfahrener Älpler und Verwandter von Franz, geht voran.

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Über die Passhöhe ziehen die Kühe nach unten, bis es an der Balm an den gefährlichen Abstieg geht. Parallel auf Höhe der Passstraße wandern die Kühe trittsicher weiter hinauf zur Niederalm in Richtung Wannelen.

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Um acht Uhr ist es geschafft. Die Kühe werden auf Wannelen eingestallt. Hier ist die kommenden sieben Wochen ihr Zuhause. Jetzt folgt eine kurze Pause. „Znüni“ fällt üppiger aus als sonst. Mit warmen Chäswürsten, Brot und Butter und Käse sowie dem obligatorischen Kaffee Träsch, sitzen alle am Tisch in der Stube. Gut gelaunt erzählt Franz den ein oder anderen Witz. Der Alpsommer ist eingeläutet!

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